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Gemeinsam spielt jeder ums eigene Leben.

Schauspiel: Gernot Rieger

Das dreiunddreißigste Jahr
Ein Stück Leben von Robert Riedl

"Ein Schauspieler, der einen Schauspieler spielt, der einen Regisseur spielt. Oder umgekehrt. Oder spielt er doch nur sich selbst? Der Text von Robert Riedl spielt ebenso geschickt mit verschiedenen Realitäten wie die Video- und Audiozuspielungen ... das Spiel vom Spiel im Spiel ist ganz für sich ganz ausgezeichnet." (Kronenzeitung, 22. Juni 2006)

"...beeindruckend, wenn sich der Zuseher in dem Hin und Her der Stimmen zurechtzufinden beginnt. Dann dreht sich der Tanz um sich selber abgrundtief, das Ich wird von Schuld und Verantwortung überwälzt, windet sich und: steht auf und geht. Kein Knochen gebrochen. Zurück bleibt ein von Fragezeichen umkränzter Kopf." (Kleine Zeitung, 20. Juni 2006)

Am 19. Juni 2006 wurde „Das dreiunddreißigste Jahr. Ein Stück Leben“ des österreichischen Autors Robert Riedl in Klagenfurt uraufgeführt. Das Grazer Theaters ASOU produzierte und inszenierte das Auftragswerk im Rahmen der 30. Tage der deutschsprachigen Literatur.

Inhalt
Ein cholerisch veranlagter Schauspieler (33) will den tragischen Tod seiner langjährigen Partnerin verarbeiten. Dazu schlüpft der Protagonist in die Rolle des Regisseurs und inszeniert ein Theaterstück. Zentrales Thema: sein 33. Lebensjahr.
Auf der Bühne ringt der verzweifelte Schauspieler nach authentischer Lebensmöglichkeit und versucht so, sich und das Publikum von seiner Darbietung zu überzeugen.

Form
„Das dreiunddreißigste Jahr. Ein Stück Leben“ ist eine Parabel über unsere alltäglichen Inszenierungen. Im Theatertext lösen sich - wie im echten Leben - die Grenzen von Sein und Schein auf, Realität und Theater verschmelzen, und Darsteller und Zuschauer tauschen ihre Rollen, ob die Betroffenen wollen oder nicht.
Robert Riedls Texte arbeiten nicht mit psychologischen Charakterisierungen, sondern mit paradoxen Interventionen. Im Doppelspiel mit inszenierten Realitäten lässt der Theaterautor seine Hauptfigur sich an das heranarbeiten, was einen Menschen ausmacht: seinen wahren Charakter - und seine Rollen, die er auf der Lebensbühne spielen will, oder spielen muss, um zu überleben?

Ausgangspunkt
Die österreichische Autorin Ingeborg Bachmann (1923-1973) beschwor in ihrer Erzählung „Das dreißigste Jahr“ dieses als höchst krisenhafte Lebenszeit. Der letzte Satz der Autorin wird zum dramatischen Ausgangspunkt des Theatertextes „Das dreiunddreißigste Jahr“:
„Ich sage dir: Steh auf und geht! Es ist dir kein Knochen gebrochen.“

Lebensbühne
Robert Riedl schrieb ein Bühnenspiel, das in die Nähe von Ingeborg Bachmanns Prosatext gerückt ist und gleichsam Lebensmodell für Sinnsuche und Liebesverlust wird.
„Bleib ganz natürlich, sei einfach so, wie du bist“, sagt der Regisseur seinem Schauspieler. Dieser ist ganz auf das Theaterspielen fixiert und probiert eine Rolle um die andere aus. Und Rollen gibt es viele:

Da ist zunächst der Protagonist selbst, der Solodarsteller. Dann Maximilian, der Regisseur seiner selbst. Und schließlich Hans-Peter, der Schauspieler seiner Rollen. Sie alle reden auf der „Bühne Leben“ durcheinander, miteinander, gegeneinander - um ihr Leid oder ihre Angst spürbar zu machen. Denn die eigentliche Frage ist, wie Hans-Peter feststellt: „ob man dich liebt, ich meine, so wie man wirklich ist?“

Hintergrund
Ob Reality-, Talk- oder Gericht-Shows: das persönliche Schicksal ist der alltägliche Stoff, aus dem TV-Träume und Zuschauerquoten sind. Dargestellt werden „reale Rollen“ von realen Akteuren, um das „echte Leben“ zu inszenieren. - Verliert man in der Öffentlichkeit aber nicht die Macht über die Inszenierung des eigene Dramas?
Theater ASOU hat mit „Das dreiunddreißigste Jahr“ einen risikobereiten Theatertext in Auftrag gegeben und inszeniert. Regisseurin Uschi Litschauer führte die originäre Erzählweise des Autors auf der Bühne konsequent weiter: mit Videoprojektion, Fernsehen, Tonzuspielung und Musikkomposition. Die eindrucksvoll verstrickten Mediensequenzen ergänzen die unmittelbare Sprache des gesprochenen Wortes.
Der Zuschauer muss selber prüfen, was Leben und was Theater ist. Man fragt sich: Ist so etwas wie ein „richtiges Stück“ hier überhaupt möglich? Aber in einem Stück, das ein „Stück Leben“ ist, scheinen derartige Fragen fast absurd. Die Rollen, die wir zu spielen haben, holen uns alle zurück ins Leben. Scheitern können bloß Zuschauer.

Entstehungsprozess
Um dem „Stück Leben“ ein möglichst lebensnahes Setting zu geben, führte Autor Robert Riedl (35) narrative Interviews mit dem Solodarsteller Gernot Rieger (34).
Aus diesen „Lebenstexten“ entstanden erste dramatische Materialien, die in gemeinsamen Improvisationen mit dem Grazer Schauspieler Christian Heuegger weiterdramatisiert wurden.
Erkenntnisse, Erfahrungen, Ideen und Reflexionen aus dieser Zusammenarbeit sowie die Höhen und Tiefen des gemeinsamen Prozesses wurden wiederum Inspirationsquelle neuer Szenenentwürfe und Improvisationen. Ohne die intensive Mitwirkung aller Beteiligten am Enstehungsprozess wäre „Das dreiunddreißigste Jahr“ nicht zu dem geworden, was es ist: „Ein Stück Leben“

MAXIMILIAN:
Mein Stück, alles, was hier passiert, hat mit meinen wirklichen Gefühlen nichts zu tun. Vielleicht ist dieses Stück eine Therapie für mich - mir doch egal. Für mich ist einfach wichtig, diesen Augenblick jetzt - hier auf der Bühne - zu erleben! Dieser Moment ist viel wichtiger als jeder Applaus, als … als Anerkennung. Sich verbeugen und wissen: Ich bin ein guter Schauspieler, ich hab mein Leben voll im Griff. - Mir ist wirklich scheißegal, ob ich auf der Bühne überzeugend bin, ob das poetisch ist, ob das gut oder schlecht gespielt ist. Was bedeutet Applaus? Mich interessiert nicht, wie toll ich jemanden darstelle, oder wie phantastisch das Licht ist … versteh mich richtig, ich finde deine Lichtarbeit großartig, was du leistest, ist einfach brillant. Aber ich liebe nicht das Licht, das du machst … oder wer auch immer, ich liebe keine Leistung. Ich liebe dich, ich liebe, was du bist, das Leben, das du bist, ich liebe dieses Licht, das du in meinem Leben bist!

DAS DREIUNDDREIßIGSTE JAHR
EIN STÜCK LEBEN von Robert Riedl
Schauspiel: Gernot Rieger
Bühnenregie: Uschi Litschauer
Video: Arian Andiel, Christian Heuegger
Musikkomposition: Gerd Noack
Tonkomposition: Joseph Jabbour
Lichtregie: Sabine Wiesenbauer
Produktion: Theater Asou

PRESSEFOTOS UND INFOS UNTER:

Mobil: +43 0699 18 432 837
Email: info@theaterasou.at
URL: http://www.theaterasou.at