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frei zur Uraufführung Besetzung Fünf Darstellerinnen (oder drei Darstellerinnen und zwei Darsteller) Kurzinhalt Die 51-jährige Friederike Leber, deren alkoholkranker Ehemann vor einer Woche Suizid beging, begegnet sich selber: als 21-jährige Verlobte, als schwangere 31-Jährige, als 41-jährige Mutter und als eine ihrer möglichen 61-jährigen "Zukunftspersönlichkeiten". Die dramatische Figur ist Inszenatorin ihrer eigenen Biografie und offenbart mit und in ihrem Erzählen mehr über sich, als sie selbst von sich zu wissen scheint. Der Autor zeigt ihre Bewältigung bzw. die Nicht-Bewältigung der dramatischen Ereignisse ihrer Lebensgeschichte in gleichen oder divergierenden Sinnstiftungsleistungen der fünffach dargestellten Frau. Textheft bestellen bei Wahlesongs Theaterverlag Hamburg Textauszug 61-JÄHRIGE:... Alle kommen sie zu mir, nachdem man ihn wegbringt, und sagen mir, dass sie es immer gewusst haben, nicht? Aber niemand, wie soll ich sagen –, glauben Sie, es hätte sich da irgendwer einmal eingemischt?! – Alle haben, ich meine, na ja, es ist ja nur ein einziges Mal zu einer wirklichen Eskalisa–Eskalation gekommen. Aber das war auch keine richtige Tragödie. Nie im Leben wäre ich da heimgefahren, wie so viele dann zu ihren Müttern zurückgehen, nicht? Also, das hätte ich niemals getan, was auch immer passiert wäre, ich meine, auch wenn die Mutter noch gelebt hätte. – 21-JÄHRIGE: – Wissen Sie, warum, weswegen Ihr Mann getrunken hat? 61-JÄHRIGE: Also –. 21-JÄHRIGE:... Ich meine, ich trinke auch Alkohol, also kosten und so, am Feuerwehrball einen kleinen Schwips gehabt, wie der Jakob, aber so richtig betrunken noch nie. 61-JÄHRIGE: Damals in der neuen Arbeit, also bei der Feuerwehr hat er irgendwann wieder angefangen, ich meine, er hat es dann so gesehen, dass er nicht geglaubt hätte, dass er wieder süchtig werden kann... hat dann seinen Hausmeisterposten gehabt, na ja, dem neuen Hausmeister bringen dann alle eine Flasche, und so war das dann auch. Er selbst hat einmal gesagt, dass das klein angefangen hat. Als Kind wurde er von allen unterdrückt, ich weiß auch nicht, misshandelt und alles, und um das nicht mehr zu spüren, ich meine, er hat bestimmt gemerkt, dass es dann weg ist,... wenn er trinkt, nicht? Richtig angefangen hat das aber erst bei der Feuerwehr. Na ja, auf seiner Dienststelle haben alle mehr oder weniger getrunken, aber nach Dienstschluss ist es erst richtig losgegangen. Jeder sagt: Da hast noch einen und da hast noch einen! Mein Jakob hat immer gesagt, dass er sich alles zutraut, wenn er ein paar Schnäpse gekippt hat... Also, der Alkohol hat ihm seine letzten Hemmungen genommen, ich meine, er hat seine Räusche eigentlich immer ganz bewusst gegen uns eingesetzt, nicht? 21-JÄHRIGE: Ja, und der Jakob hat schon immer sehr unterschiedlich auf verschiedene Getränke reagiert, nicht –? Da ist z. B. dieses Überschwängliche, wenn er Bier trinkt, also wenn er ein paar Bier getrunken hat, redet er ununterbrochen und ist sehr rechthaberisch. Da kommt er sich unglaublich klug vor. – Bei der Arbeit halte ich das jetzt überhaupt nicht aus... Oder Wein: Wein macht ihn eher gemütlich, also er wird dann redselig und alles. Das mag ich. Da kann er richtig witzig sein – wie gestern wieder im Leber, also im Gasthaus Leber... für alle immer ein unheimlicher Spaß. Furchtbar ist es auch nur, wenn er irgendwo Schnaps bekommt. 61-JÄHRIGE: Jakob hat nie, also mein Mann ist sehr selten ins Gasthaus gegangen, wie das üblich ist ; na ja, die hatten ja selber ihr eigenes Wirtshaus, nicht? Er hat dann immer öfter im Dienst getrunken... oder daheim. Im Keller, am Dachboden und unter dem Bett oder hinter dem Spiegel – überall hat er seine Schnapsflaschen versteckt, nicht? Wenn ich sie gefunden habe... also ich habe immer alles ausgeleert. Räume dann auch alles aus, ich meine, also ab meinem einundvierzigsten Geburtstag hat das ja immer der Jakob machen müssen, aber am Tag danach gehe ich nach zehn Jahren wieder das erste Mal zum Müll. Habe heute noch eine unglaubliche Wut auf ihn, wenn ich irgendetwas in den Container werfe. 21-JÄHRIGE: Mein Zukünftiger wird bestimmt hundert Jahre alt, ich meine... – Er ist gestern auf seiner ersten Gesundenuntersuchung; also nachher sagt der Chefarzt zu ihm: Was macht der jüngste Leber schon bei uns!? Und der Jakob... antwortet: Ich verstehe, meinen Kuckuck sehen sie also nicht auf ihrem Röntgenbild. 61-JÄHRIGE:... Wenn ich so nachdenke,... also, ich würde alles noch einmal ganz gleich machen. |